MIROSLAV RAICHL (geb. 2. Februar 1930 in Náchod) studierte von 1949-53 Komposition bei Pavel Borkovec an der Akademie der musischen Künste in Prag, wo er in den folgenden drei Jahren Aspirant bei Väclav Dobiäs war. Nach dem Studium arbeitete er kurze Zeit im Tschechischen Musikfonds, von 1958 bis 1962 war er Sekretäi für schöpferische Fragen der Komponistensektion des Verbandes Tschechoslowakischer Komponisten, vor 1965-70 unterrichtete er am Konservatorium in Prag und ab 1980 ist er Lehrer am Konservatorium in Pardubice.
 
     Der erste große Erfolg des Komponisten Miroslav Raichl war die Aufführung seiner 2. Sinfonie bei dei Schau des neuen sinfonischen Schaffens im Jahre 1961 in Prag und ihre Aufnahme in die repräsentative Schall-plattenedition "Musica nova bohemica et slovaca". Dramatische, mit gefühlerfüllten meditativen Passagen kontrastierende Flächen und Reichtum an melodischen und farbigen Einfällen sind für diese und weitere Orchester werke Raichls charakteristisch. Darunter sind auch zwei Sinfonjetten für Kammerorchester, die auf kleinerer Fläche und mit kleinerem

Apparat in konzentrierter Form dem Inhalt der umfangreicheren 2. Sinfonie ähnliche musikalische Aussagen bringen. In den "Fünf Tanzfantasien" werden melodische und rhythmische Elemente der modernen Tanzmusik verwendet. Die sinfonische Suite für Kinder "Ein Nachmittag im Zoo" zeugt von Raichls Interesse für die Kinderwelt. Kindern widmete er zahlreiche Chor- und Instrumentalwerke, die trotz ihrer technischen Anspruchslosigkeit häufig auch für die Konzertaufführung geeignet sind.
 
     Im Bereich der Oper folgten auf das jugendlich-romantische Erstlingswerk "Fuente Ovejuna" zwei Einakter nach dem Libretto des Satirikers Jin R. Pick, nach dessen Texten auch mehrere Chorwerke entstanden. Die Neigung zur humoristischen Lage ist bei Raichl auch mit den Versen Väclav Fischers und Erich Sojkas verbunden, tritt aber auch in Kompositionen ohne Text zutage. Seine melodische Begabung führte Miroslav Raichl von Anfang an zum Vokalschaffen, das bei ihm am zahlreichsten und anerkanntesten ist. Auf die frühen Lieder für Chorgesang mit bedeutungsvollem gesellschaftlichem Inhalt folgte der Erfolg des Frauenchorzyklus "Auf Wasser geschriebene Verse" nach der altjapanischen Poesie und eine lange Reihe von Preisen bei den Wettbewerben in Jirkov und Jihlava sowie ausländische Erfolge, darunter 1973 der l. Preis aus Tours für den Frauenchorzyklus "C'est mon coeur, qui bat" und im folgenden Jahr der l. Preis beim Wettbewerb der OIRT (Internationale Rundfunk-und Fernsehorganisation) in Budapest für die "Drei Mär-chen" für Kinderchor. Großer Beliebtheit erfreuen sich auch die zahlreichen Chorbearbeitungen von Volkslie-dern. In seinem ganzen kompositorischen Werk kommt Miroslav Raichl dem heutigen Leben entgegen. Er empfängt von ihm Anregungen, entdeckt neue Seiten ganz alltägli-cher Dinge, läßt sich von Momenten aus der Welt der Kinder und Erwachsenen inspirieren. Seine Musik ist vor allem mit der tschechischen Tradition fest verbunden, die er immer im Hinblick auf die Verständlichkeit für die Zuhörer und häufig auch auf die Zugänglichkeit für die In-terpreten entfaltet.